{"id":233,"date":"2020-10-12T18:26:50","date_gmt":"2020-10-12T16:26:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.echles.net\/wordpress\/?p=233"},"modified":"2020-11-24T09:00:47","modified_gmt":"2020-11-24T08:00:47","slug":"pfau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.echles.net\/wordpress\/index.php\/2020\/10\/12\/pfau\/","title":{"rendered":"Pfau"},"content":{"rendered":"\n<p>Der Pfau gilt in der Christlichen Symbolik als<br>&#8211; Symbol der Auferstehung<br>&#8211; Unsterblichkeit<br>&#8211; unzerst\u00f6rbare Seele<br>&#8211; auch Symbol f\u00fcr Allwissenheit<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"681\" src=\"https:\/\/www.echles.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/portal-pfau-1024x681.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-316\" srcset=\"https:\/\/www.echles.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/portal-pfau-1024x681.jpg 1024w, https:\/\/www.echles.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/portal-pfau-300x199.jpg 300w, https:\/\/www.echles.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/portal-pfau-768x511.jpg 768w, https:\/\/www.echles.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/portal-pfau-1536x1021.jpg 1536w, https:\/\/www.echles.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/portal-pfau-2048x1362.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Pfau am M\u00fcnsterportal in Villingen<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die allt\u00e4glichen Vorstellungen und Assoziationen, die das Wort \u201ePfau\u201c in uns erwecken, sind zun\u00e4chst negativer Art. Wir denken an Stolz und Eitelkeit, an Selbstherrlichkeit und Arroganz, die der Pfau mit seinem aufgestellten Rad aus schillernden Schwanzfedern verk\u00f6rpert. Und wer dazu wei\u00df, dass der Pfau nicht wie andere V\u00f6gel singen kann, sondern nur laute, unmelodische Schreie ausst\u00f6\u00dft, der hat Verst\u00e4ndnis f\u00fcr den schlechten Vers, der \u00fcber den Pfau gemacht wurde: \u201eDer Pfau schleicht wie ein Dieb durchs Land, hat Teufels-Stimm\u2018 und Engels-G\u2019wand.\u201c Mit solchen Urteilen \u00fcber den Pfau kann man nat\u00fcrlich sein Erscheinen am Altar nicht rechtfertigen. D\u2019rum ist zu wissen, dass es Zeiten gab, die dem Pfau mehr Reverenz erwiesen haben. Die Heimat des Pfau ist Indien, und dort galt er als Symbol f\u00fcr die Sonne, f\u00fcr immerw\u00e4hrende Jugend und Unsterblichkeit. Seit dem Feldzug Alexanders des Gro\u00dfen nach Indien ist dieser gro\u00dfe Vogel in der antiken Welt des Mittelmeerraumes bekannt geworden und wurde als vornehmer Schmuck in hochherrschaftlichen G\u00e4rten und Pal\u00e4sten gehalten. Mit Staunen und Bewunderung beobachtete man, wie jeder Fr\u00fchling sein prachtvolles Federkleid erneuerte. Das machte ihn zum Symbol des neuen Lebens im Fr\u00fchjahr. Schlie\u00dflich wurde der Pfau der Apotheose (Verg\u00f6ttlichung) Gef\u00e4hrte der Kaiserin, so wie der Adler Gef\u00e4hrte des Kaisers war. Vom ewigen Fr\u00fchling und von der Unsterblichkeit des Kaisers erz\u00e4hlen daher die vielen Pfauenbilder auf antiken Wandfriesen und Bodenmosaiken.<\/p>\n\n\n\n<p>Die junge Christenheit hat viele k\u00fcnstlerische Stilelemente und Vorstellungsmuster aus der antiken Welt \u00fcbernommen und weiterentwickelt. Und so taucht auf Sarkophagen und Katakombenschmuck bald der Pfau im christlichen Raum auf; nun allerdings in ver\u00e4nderter Bedeutung. Er ergeht sich im Paradiesgarten, und das Farbenspiel seiner viel\u00e4ugigen Federn l\u00e4sst etwas von der Sch\u00f6nheit und vom ewigen Fr\u00fchling des Paradieses, des Gottesreiches ahnen. Der Pfau ist Herold der k\u00fcnftigen Herrlichkeit. Oft sieht man auch auf fr\u00fchchristlichen Darstellungen den Pfau, wie er vom Wasser des Lebens trinkt oder sich an den eucharistischen Fr\u00fcchten des Weinstocks labt. Damit gilt er wie die Taube als Symbol der unsterblichen Seele.<\/p>\n\n\n\n<p>Quelle: Kurt M\u00fcller, Der Zelebrationsaltar im Villinger M\u00fcnster, in GHV Jahresheft 2003<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"681\" src=\"https:\/\/www.echles.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/portal-hirsch-1024x681.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-317\" srcset=\"https:\/\/www.echles.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/portal-hirsch-1024x681.jpg 1024w, https:\/\/www.echles.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/portal-hirsch-300x199.jpg 300w, https:\/\/www.echles.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/portal-hirsch-768x511.jpg 768w, https:\/\/www.echles.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/portal-hirsch-1536x1021.jpg 1536w, https:\/\/www.echles.net\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/portal-hirsch-2048x1362.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Hirsch am M\u00fcnsterportal in Villingen<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Der Hirsch<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wer den Altar umschreitet, begegnet dem Hirsch. Er beherrscht das f\u00fcr ihn ausgesparte Feld wie der K\u00f6nig der W\u00e4lder sein Revier. Grazil sind die L\u00e4ufe und deuten seine Schnelligkeit an. Der feingearbeitete Rumpf mit den sichtbaren Rippenb\u00f6gen l\u00e4sst an lange Durststrecken denken, die er hinter sich hat. Sein sensibler Sp\u00fcrsinn hat ihm den richtigen Weg gewiesen, er hat den Bach erreicht, der lebendig zum linken Bildrand hereinspringt wie ein frischer Bergquell. Der Hirsch will die F\u00fclle genie\u00dfen, er tritt mit dem m\u00fcden Vorderlauf hinein in den \u00dcberfluss und trinkt. Dabei wenden sich dem Betrachter die zehn Enden seines Geweihes, seine Troph\u00e4e, zu. Anmut und Stolz stecken in seiner Gestalt, Durst und Trank, Suchen und Finden sind meisterlich dargestellt. Was soll der Hirsch in der Kirche, was kann das Tier am Altar bedeuten? Nicht erst die Barockzeit l\u00e4sst V\u00f6gel durch die hellen Kuppeln fliegen und malt allerlei Tiergestalten in die lichten Fresken. Schon die Romanik schuf in ihren Kirchen, die wehrhaft wie Gottesburgen aussahen, auch eine sch\u00fctzende Heimstatt f\u00fcr Pflanzen und Tiere, die vor allem in die herrlichen S\u00e4ulenkapitelle hineingearbeitet waren. In der rettenden Arche waren Mensch und Tier beieinander. Wo Gottes Heilstaten verk\u00fcndet und erfahren werden, im Gotteshaus, da darf die ganze Sch\u00f6pfung sich zur Anbetung versammeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Hirsch nun hat die J\u00e4ger immer fasziniert, und wer m\u00f6chte nicht ein J\u00e4ger sein und ihm im Fr\u00fchlicht begegnen? Als in keltisch-r\u00f6mischer Zeit Menschen unserer Gegend am Brigachursprung ein Quellheiligtum errichteten, haben sie es geschm\u00fcckt mit einem Hirsch, einem Vogel und einem Hasen. Forscher deuteten das in den drei\u00dfiger Jahren aufgefundene Bild und meinten, der Hirsch sei das Wappentier des Waldgottes Silvanus.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Gedankenwelt der fr\u00fchen und mittelalterlichen Christen spielte der Hirsch in den Legenden vom heiligen Nothelfer Eustachius und vom heiligen Hubertus eine gro\u00dfe Rolle. Ein leuchtendes Kreuz im Geweih des m\u00e4chtigen Hirsches, auf den die J\u00e4ger schon angelegt hatten, zwang sie, den Bogen zu senken. Aus J\u00e4gern wurden Heilige. Und eine sch\u00f6ne, halbvergessene Legende aus der Baar lebt weiter auf einem Bild in der einst bekannten Wallfahrtskapelle St. Marx in Mistelbrunn. Der seligen Ruchtraud von Almshofen schreitet, weil sie sich im n\u00e4chtlichen Winterwald verirrt hat, sie rettend ein kapitaler Hirsch voran bis nach St. Marx. Auf seinem Geweih strahlen 12 Kerzen und weisen den Weg zum Heiligtum.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber die eigentliche Begr\u00fcndung f\u00fcr den Einlass des Hirsches in der Kirche liefert ein Vers aus Psalm 41. Er ist ein Lied vom Heimweh nach Jerusalem und seinem bergenden Heiligtum, dem Tempel. Dort hei\u00dft es: \u201eWie der Hirsch lechzt \u00fcber den Bachbetten, so lechzt meine Seele nach dir, Jahwe. Es d\u00fcrstet meine Seele nach Jahwe, dem lebendigen Gott.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Wer staunend in alten Basiliken oder Baptisterien zu Rom, Ravenna oder Neapel vor den nach tausend Jahren fast in \u00fcberirdischem Glanz leuchtenden Mosaikw\u00e4nden steht, der gewahrt oft den \u00fcber die Quelle gebeugten trinkenden Hirsch. Das hervorragendste, weil \u00e4lteste Beispiel ist die aus dem 4. Jahrhundert stammende Taufkirche des heiligen Johannes in Neapel. Dort steht mit einladender Geste auf seinen Hirtenstab gest\u00fctzt der \u201eGute Hirt\u201c (Christus) und weist auf 2 Hirsche links und rechts, die aus vollen Z\u00fcgen trinkend an den B\u00e4chen stehen, die zu seinen F\u00fc\u00dfen entspringen. Das ist eine in Bildersprache ausgedr\u00fcckte herzliche Einladung zur Taufe. Deshalb nennt Joseph Wilpert, der Altmeister der Ikonographie, die trinkenden Hirsche \u201edas Taufsymbol per excellentiam\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Das gro\u00dfe Apsismosaik der St.-Klemens-Basilika in Rom zeigt zu F\u00fc\u00dfen des Kreuzes vier Quellen, die vier Evangelien. Daraus trinken zwei Hirsche. Sie sind Symbol f\u00fcr den nach Wahrheit suchenden, um Glauben ringenden und auf Erl\u00f6sung angewiesenen Menschen. Die Begegnung mit dem Gekreuzigten und seinem Wort stillt diesen Durst.<\/p>\n\n\n\n<p>Der hohe Auftrag des Altars ist, zu solcher Christusbegegnung einzuladen und den Durst nach Lebenskraft von Christus her im Sakrament zu stillen. Das uralte Symbol vom trinkenden Hirsch ist ein w\u00fcrdiger und zur Meditation anregender Schmuck des neuen M\u00fcnsteraltars.<\/p>\n\n\n\n<p>Quelle: Kurt M\u00fcller, Der Zelebrationsaltar im Villinger M\u00fcnster, in GHV Jahresheft 2003<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Pfau gilt in der Christlichen Symbolik als&#8211; Symbol der Auferstehung&#8211; Unsterblichkeit&#8211; unzerst\u00f6rbare Seele&#8211; auch Symbol f\u00fcr Allwissenheit Die allt\u00e4glichen Vorstellungen und Assoziationen, die das Wort \u201ePfau\u201c in uns erwecken, sind zun\u00e4chst negativer Art. 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